Unser Gedächtnis funktioniert schon auf eine merkwürdige Art und Weise. Wir sehen ein bekanntes Gesicht, doch der Name der Person will uns einfach nicht einfallen. Lange Ziffernfolgen konnten wir uns noch nie gut einprägen. Aber ich wette, wir erinnern uns alle noch an den Moment, in dem wir von den 9/11-Anschlägen oder der Atomkatastrophe in Fukushima erfuhren. Warum ist unsere Erinnerungsleistung so variabel? Gerade im Studium spielen Lernen und Gedächtnis eine große Rolle! Wie können wir sichergehen, dass wichtige Sachverhalte dauerhaft abgespeichert und in Prüfungssituationen erinnert werden können?

 

 

Der Zusammenhang zwischen Lernen und Gedächtnis

Unser Gedächtnis, beziehungsweise unser Langzeitgedächtnis, wird grob in das explizite und das implizite Gedächtnis unterteilt. Zum impliziten Gedächtnis gehört zum einen das prozedurale Gedächtnis. Hier speichern wir Fertigkeiten und Gewohnheiten ab wie beispielsweise das Fahrradfahren. Des Weiteren gehören auch Priming, Konditionierung und perzeptuelles Lernen zum impliziten Gedächtnis. Perzeptuell bedeutet dass wir einen Apfel immer als Apfel erkennen egal wie er aussieht, weil wir seine typischen Merkmale und nicht nur ein bestimmtes Bild von einem Apfel abgespeichert haben. Implizite Gedächtnisinhalte haben wir also hauptsächlich unbewusst gelernt, rufen sie fast automatisch ab und verlernen sie nur schwer.

Das zweite Gedächtnissystem stellt das explizite Gedächtnis dar. Hier wird ausschließlich bewusstes Wissen abgespeichert. Das explizite Gedächtnis wird ebenfalls unterteilt, nämlich in das episodische und das semantische Gedächtnis. Im episodischen Gedächtnis sind unsere persönlichen Erinnerungen gespeichert, also praktisch unsere Autobiografien. Auch stark emotionale Geschehnisse und wichtige zukünftige Termine und Vorhaben sind hier gespeichert. Die Besonderheit: Wir merken uns diese Dinge immer mit Raum- und Zeitbezug! Kommen wir nun zum letzten Gedächtnissubsystem – dem semantischen Gedächtnis. Hier ist dein gesamtes Weltwissen und mühsam gelerntes Schul- und Prüfungswissen abgespeichert. Explizite Gedächtnisinhalte sind uns zugänglich, können aber mal mehr und mal weniger gut erinnert werden.

 

 

Lernen und Gedächtnis – eine Vielzahl von Theorien

Gedächtnismodelle gibt es wie Sand am Meer. Sich alle zu merken, ist ironischerweise kaum möglich. Es wird zwischen zahlreichen Prozessen und Strukturen unterschieden, wobei diese nicht immer klar abzugrenzen sind. Ein Modell, das sich immer wieder bewährt, ist das „levels of processing model“ von Craik und Lockhart. Sie postulieren, dass das Gedächtnis keine eigenständige Struktur darstellt, sondern viel mehr das Resultat der Informationsverarbeitung ist. Die Verarbeitungstiefe von Informationen bestimmt, was wir uns merken.

 

 

Verarbeitungstiefe –tief, tiefer, gemerkt!

Zuerst wird jede Information perzeptuell verarbeitet. Das bedeutet, dass wir sie durch unsere Sinnesorgane erkennen. Angenommen du liest das Wort „Prävalenz“ in deinen Vorlesungsmitschriften. Es steht unter der Überschrift „Epidemiologische Kennzahlen“. Während du es liest, hast du das Wort bereits graphemisch und phonetisch und somit oberflächlich verarbeitet. Du hast die Formen der einzelnen Teilstücke, also die Buchstaben, erkannt. Du hast die Buchstaben zu einem Wort zusammengesetzt und das Wort im Kopf ausgesprochen. Für den Fall, dass du nicht weißt was Prävalenz bedeutet, suchst du nun online nach der Wortbedeutung. Du stößt auf mehrere Definitionen und verstehst nach und nach was mit Prävalenz gemeint ist und wie es in das System deines bisherigen Wissens einzuordnen ist. Du bist nun mitten in der semantischen Verarbeitung des Wortes. Nach einiger Zeit hast du es tiefgreifend verstanden. Wenn du nun in der Prüfung eine epidemiologische Kennzahl nennen sollst, wird dir das mit Sicherheit sehr gut gelingen, denn du hast ja nicht nur ein Wort auswendig gelernt sondern ein ganzes Konzept verstanden, verinnerlicht und abgespeichert.

 

 

Verarbeitungstiefe erzeugt Elaboration

Wenn wir uns mit der Bedeutung eines Wortes auseinandersetzen, elaborieren wir es. Das heißt, wir erkennen nicht nur das Augenscheinliche, sondern lernen ein neues Konzept und fügen dieses in das Netzt des bereits bestehenden Wissens ein. Wir haben eine bestimmte Verarbeitungstiefe erreicht. Lernen und Gedächtnis sind also keinesfalls gleichzusetzten. Ins explizite Gedächtnis kommt nur, was für dich eine Bedeutung trägt. Je besser du ein Konzept verstehst, desto tiefer hast du es verarbeitet. Je größer die Verarbeitungstiefe, desto erfolgreicher kannst du dein Wissen später abrufen.

 

 

Was bedeutet das fürs Lernen?‒ Elaborationsstrategien

Mach von der Verarbeitungstiefe Gebrauch! Versuche nicht, die Sachverhalte stupide auswendig zu lernen, sondern verstehe, was sie bedeuten und setze sie zu anderen Sachverhalten in Beziehung. Je präziser du sie elaboriert hast, desto besser kannst du sie dir einprägen.

 

Folgende Elaborationsstrategien nutzen das Prinzip der Verarbeitungstiefe:

1. Umformulieren und Umstrukturieren!

Organisiere die Fakten zu deinem Verständnis und formuliere sie in deinen eigenen Worten! Beispielsweise durch Karteikarten und Mitschriften.

2. Gib Bedeutung!

Belanglose Listen bekommen Bedeutung, wenn du die Loci-Methode anwendest!

3. Veranschauliche und mache sichtbar!

Wenn du dir ein Bild oder Symbol für ein Konzept, musst du visuell enkodieren und elaborieren. 

4. Sorge für Zusammenhänge!

Mach auch Zusammenhänge sichtbar, beispielsweise durch ähnliche Farben oder eine Mind-Map. 

Lernen und Gedächtnis – optimierst du ersteres, trainierst du letzteres! 

Viel Spaß und liebe Grüße von der Uni am Strand

Emeli

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