Wie erstellt man die Gliederung einer Bachelorarbeit? Und warum überhaupt? Nach welchen Kriterien geht man dabei vor? Um dir diese und weitere Fragen zu Aufbau und Gliederung einer Bachelorarbeit zu beantworten, holen wir ganz kurz 65 Millionen Jahre aus:

Alle lieben Dinosaurier. Es sind beeindruckende, gewaltige und geheimnisvolle Kreaturen. Doch woher wissen wir, wie sie einst aussahen? Ganz einfach: Durch Skelettfunde. Allein aus diesen uralten Knochen können Präparator*innen das komplette Aussehen ausgestorbener Arten rekonstruieren. Unglaublich, oder?

Zurück in die Gegenwart: Das gleiche Prinzip gilt nämlich für die Gliederung deiner Bachelorarbeit. Sie bildet das Skelett bzw. das Grundgerüst deines Projekts. Wenn du sie gut gestaltet hast, kann dein*e Dozent*in schon ganz ohne Fließtext erkennen, wie deine Arbeit einmal aussehen wird – ob sie richtig super oder eher so … naja, mittelmäßig wird. Das liegt unter anderem daran, dass es gewisse Konventionen und etablierte Vorgehensweisen bei der Erstellung einer Gliederung für wissenschaftliche Arbeiten gibt.

Daher solltest du viel Zeit in die Gliederung deiner Arbeit stecken und diese mit deinen Betreuer*innen absprechen. Übrigens: 8 Dinge, die du beim Schreiben einer Bachelorarbeit lernst, findest du in unserem Artikel Sinn einer Bachelorarbeit

Warnung

„Aber bei Prof. So-und-So habe ich das anders gelernt.“ Solche Sätze sind in jedem Proseminar über wissenschaftliches Arbeiten zu hören.

Dazu zitiere ich gern einen meiner ehemaligen Professoren. Dieser sagte: „Jeder Professor ist eine Prima Donna. Er möchte es genauso haben, wie er es möchte!“

Soll heißen: Nur, weil wir es dir hier so erklären, heißt das nicht, dass alle Dozierenden es genauso sehen. Jedes Fachgebiet gliedert seine Arbeiten anders, setzt andere Schwerpunkte und hat gewisse Eigenheiten.

Letztendlich zählt immer das, was dein*e Betreuer*in sagt – schließlich geht’s hier um deine Abschlussnote!

Im Folgenden habe ich dir einige allgemeine Hinweise zur Gliederung einer Bachelorarbeit zusammengetragen, die ein Großteil meiner Kolleg*innen für sinnvoll hält.

Formale Vorgaben zur Gliederung einer Bachelorarbeit

▶︎ Verwende einen einheitlichen, wissenschaftlichen und übersichtlichen Stil in deiner Gliederung

Du solltest in der Gliederung dieselbe Schriftart wie beim Rest deiner Arbeit verwenden. Gliederungspunkte sollten durchweg kurz und prägnant formuliert sein. Du verzichtest bei allen Punkten auf Füllwörter. Zudem solltest du viele Substantive bzw. Substantivierungen verwenden – das gehört zum wissenschaftlichen Schreibstil. Wenn du Artikel vor Substantiven verwendest, solltest du das einheitlich in der Gliederung durchziehen.

Zum Beispiel:

  1. Einleitung
  2. Die Gründung der Stadt Rom
  3. Der Niedergang der Stadt Rom

Oder:

  1. Einleitung
  2. Gründung der Stadt Rom
  3. Niedergang der Stadt Rom

Beide Varianten (mit oder ohne Artikel) sind möglich – entscheide dich für eine und bleibe dabei.

Übrigens: Fragen als Kapitelüberschriften gehen gar nicht!

Zum Beispiel:

3.1 Ist die Zeit aus unserer Sicht relativ? ❌ Fail

3.1 Relativität der Zeit ✔️ Top

▶︎ Nicht tiefer als drei Ebenen gliedern

Eine Gliederung wirkt sehr aufgeräumt und durchdacht, wenn du so wenig Untergliederungsstufen wie möglich verwendest. Im Idealfall kommst du mit drei Gliederungsebenen (2.1.1) aus. (Nach dem letzten Gliederungspunkt lässt du den Punkt in der Regel weg – zu den genauen formalen Vorgaben an deiner Uni und deinem Lehrstuhl solltest du aber unbedingt auch Dokumente wie den Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten befragen. Dieser ist meistens über die Webseiten der Institute/Fachbereiche zugänglich.)

▶︎ Wer 2.1 sagt, muss auch 2.2 sagen

Wenn du eine neue Untergliederungsebene eröffnest, dann sollte diese mindestens zwei Punkte bzw. Teilkapitel umfassen, sonst ist diese neue Ebene überflüssig. Gerade bei Abschlussarbeiten ist der Stoff, den du behandelst, allerdings so umfangreich, dass sich einzelne Gliederungspunkte weiter aufsplitten lassen. Wenn die Zwischenüberschrift jedoch nur für einen kleinen Exkurs gedacht war, lass sie lieber weg – dann lässt sich das Thema auch in das übergeordnete Kapitel integrieren.

Zum Beispiel:

2.2
2.2.1
2.3     ❌ Fail

2.2
2.2.1
2.2.2
2.3     ✔️ Top

Etwas deutlicher wird es mit der folgenden Regel: Im Normalfall schreibst du den Text, der wirklich inhaltlich relevant ist, nur auf der tiefsten Gliederungsebene.

1. Kein Text

1.1 Text

1.2 Text

2. Kein Text

2.1 Kein Text

2.1.1 Text

Viele Dozent*innen mögen es, wenn du auf den höherliegenden Ebenen eine kurze Hinführung bzw. Einleitung zum Inhalt der folgenden untergeordneten Gliederungspunkte gibst. Dies solltest du dann aber einheitlich bei allen Gliederungspunkten machen.

▶︎ Mindestumfang eines Gliederungspunkt

Ja, es gibt einen Mindestumfang bei Gliederungspunkten. Dieser liegt bei ungefähr einer halben Seite. Falls dein Gliederungspunkt weniger Text hat, solltest du ihn mit einem anderen zusammenfassen und als Überschrift einen Oberbegriff wählen, der beide der ursprünglichen Gliederungspunkte widerspiegelt.

▶︎ Maximale Länge eines Gliederungspunktes

Auch bei der maximalen Länge gibt es Vorgaben: Im Regelfall sollte ein Gliederungspunkt nicht mehr als vier Seiten Text umfassen. Wenn er weitaus länger ist, solltest du ihn sinnvoll unterteilen – das macht es später einfacher, deine Arbeit zu lesen und zu verstehen.

Inhaltliche Vorgaben zur Gliederung einer Bachelorarbeit

Das allerwichtigste an deiner Gliederung ist der sprichwörtliche rote Faden. Dein*e Dozent*in muss schon anhand der Gliederung erkennen können, welches Ziel du verfolgst und wie dein Weg bis dahin aussehen wird. Im Idealfall kommst du geradlinig und ohne Umwege bei deinem Forschungsziel an. Maßgeblich ist dafür natürlich deine Forschungsfrage – alles, was du darüber wissen musst, erfährst du in unserem Artikel Was ist eine Forschungsfrage?

Bei der Erstellung deiner Gliederung musst du in zwei Dimensionen denken: In der linearen (logischen) und in der hierarchischen Dimension.

Die lineare (logische) Gliederung

Wer sich dein Inhaltsverzeichnis durchliest, soll einen guten Eindruck davon erhalten, wie deine Arbeit aufgebaut ist – oder genauer: Welche Schritte du auf dem Weg von der Formulierung deiner Forschungsfrage(n) bis zu ihrer Beantwortung unternommen hast. Ganz wichtig ist dabei, dass jeder deiner Schritte auch wirklich zur Lösung deines Problems beiträgt. Aber wie sieht so eine logische Gliederung aus?

Weiter oben haben wir bereits angedeutet, dass es auch beim inhaltlichen Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten gewisse Konventionen gibt. Eine sehr hilfreiche ist das sogenannte ETMED-Schema, das für so gut wie alle Arbeiten mit eigenem Forschungsanteil gilt.

ETMED steht dabei für Einleitung – Theorie – Methoden – Ergebnisse – Diskussion.

Und an dieser groben Struktur kannst du dich auch bezüglich des Umfangs der einzelnen Anteile gut orientieren – dazu steht weiter unten mehr.

Die hierarchische Gliederung

Wenn du die grobe, lineare Struktur deiner Arbeit festgelegt hast, kannst du in der hierarchischen Dimension weiterdenken. Damit ist gemeint, dass du den einzelnen übergeordneten Kapitelüberschriften Unterpunkte zuordnest, die du im Rahmen des jeweiligen Kapitels behandeln willst. Du gehst quasi vom Allgemeinen zum Speziellen vor: Die Überschriften deiner Unterkapitel müssen natürlich thematisch zu den Hauptkapiteln passen, sie stellen jeweils kleine Anteile des dort behandelten Themas dar.

Wenn du ganz am Anfang deiner Arbeit stehst und eigentlich nur Fragezeichen im Kopf hast, was den letztendlichen Inhalt deiner Arbeit anbelangt, kann es tatsächlich helfen, deine eigenen Wissenslücken in Form von Fragen aufzuschreiben: Was muss ich noch alles in Erfahrung bringen, bevor ich diesen Abschnitt schreiben kann? Welche Fragen soll dieses Kapitel einmal beantworten? Das kann auch beim Schreiben deiner Arbeit später eine super Orientierungshilfe sein!

Bezeichnung der Gliederungspunkte

Dass du deine Überschriften in einem einheitlichen, wissenschaftlichen und übersichtlichen Stil gestalten sollst, haben wir ja schon erwähnt. Tatsächlich ist es gar nicht unüblich, Gliederungspunkte nach dem Vorbild des ETMED-Schemas zu bezeichnen. Dementsprechend kannst du deinen Theorieteil – vor allem, wenn du verschiedene Theorien kombinierst – auf der Hauptebene der Gliederung beispielsweise als „Theoretische Grundlagen“ bezeichnen. Wenn du dich für dieses Vorgehen entscheidest, müssen die untergeordneten Kapitelüberschriften besonders spezifisch sein – überlege dir also gut, ob diese Variante für dein Thema geeignet ist. Traditionell folgen dann auch die „Methodik“ und zum Beispiel die „Analyse“ oder „Auswertung“. Dass die Einleitung auch Einleitung und das Fazit ruhig Fazit genannt werden darf, ist klar.

Keine Wiederholung von übergeordneten Überschriften

Auf keinen Fall solltest du mehrere Kapitel identisch bezeichnen! Das wirft bei deinen Betreuenden nur Fragen über deine Vorgehensweise auf, und das willst du nicht. Versuche, das Thema eines jeden Kapitels auf knapp auf den Punkt zu bringen. Deine Dozierenden sollen sofort eine Idee davon bekommen, was du mit dem jeweiligen Kapitel anstrebst und wie das zur Beantwortung deiner Forschungsfrage beiträgt.

Mach doch einfach selbst mal den Dozententest. Stell dich unwissend und frage dich bei jedem deiner Gliederungspunkte: Was verbirgt sich hinter dieser Überschrift? Wenn sich das nicht sofort

Aufbau einer Bachelorarbeit

Wenn du dir unsicher bist, wie viele Seiten du für einzelne Gliederungspunkte einplanen solltest, kannst du dich an der folgenden Übersicht orientieren. Darin sind alle Bestandteile in der gängigen Reihenfolge aufgelistet – du kannst sie auch als Checkliste verwenden.

  • Titelblatt
  • Abstract (wenn erforderlich – schau dir die für dich geltenden Anforderungen genau an!)
  • Verzeichnisse (Inhalt, Abbildungen, Tabellen)
  • Einleitung (5-10 %)
  • ▶︎ Dient der Hinführung zum Thema, Herleitung deiner Forschungsfrage, Beschreibung des Aufbaus deiner Arbeit
  • Grundlagen-/Theorieteil (30%)
  • ▶︎ Erläutern grundlegender Zusammenhänge, die benötigt werden, um den Hauptteil zu verstehen
  • Haupt-/Untersuchungsteil (60%) inkl. Methodik
  • ▶︎ Beschreibung deiner Vorgehensweise und deines Untersuchungsmaterials, Analyse/Bearbeitung/Auswertung des Materials und Beantwortung der Forschungsfrage(n)
  • Fazit (5-10%)
  • ▶︎ Was kannst du für Schlüsse aus deiner Arbeit ziehen? Letztgültige Beantwortung deiner Forschungsfrage(n)
  • Literaturverzeichnis!!!
  • Anhang
  • Plagiats-/Eigen- bzw. Selbstständigkeitserklärung

Beispiele guter Inhaltverzeichnisse…

… gibt es hier nicht. Das würde dich auch nur verunsichern, denn Abschlussarbeitsthemen sind sogar innerhalb eines einzigen Fachs extrem unterschiedlich. Das wichtigste ist, dass deine Gliederung zu deinem Thema passt und einen Eindruck davon vermittelt, wie du zur Beantwortung deiner Fragestellung vorgegangen bist.

Wenn du trotzdem konkrete Inspiration benötigst, schau zum Beispiel auf die Website deines Instituts, in den Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten oder in die Unterlagen aus deinem Kolloquium. Du kannst auch mal in die Doktorarbeiten deiner Betreuer*innen gucken, um zu sehen, wie sie beim Schreiben vorgehen.

Frage ältere Studierende

Eine andere Option besteht darin, bei Leuten aus höheren Semestern – zum Beispiel in Masterstudiengängen, die auch für dich in Frage kommen – nachzufragen. Oftmals erhältst du dadurch nützliche Tipps aus eigener Erfahrung. Vielleicht kennst du ja sogar jemanden, der sich bei dem*der gleichen Professor*in hat prüfen lassen?

Ist die Gliederung einer Bachelorarbeit in Stein gemeißelt?

Nein, auf keinen Fall. In der Regel kannst du bis zum Abgabetag noch Änderungen an deiner Gliederung vornehmen. Dinge, die du mit deinen Betreuer*innen abgesprochen hast, solltest du allerdings nach Möglichkeit beibehalten. Was du in den allermeisten Fällen nach der Anmeldung deiner Abschlussarbeit NICHT mehr ändern darfst, ist der Titel.

Symbolbild: Bunte Illustration eines Fragezeichens.

Weißt du schon, wie du deine Gliederung gestaltest? Wir von Motiviert Studiert wünschen dir jedenfalls viel Erfolg! Wenn du weitere Fragen hast, schreib uns gern in den Kommentaren.

Dr. Daniel Hunold

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