Was darf’s denn sein? Die Eistheke der Studiengänge

Studiengänge für die Sprachen (Philologien) sind vielfältig. Zuerst solltest du einige wichtige Fragen für dich selbst klären, um zu wissen, wohin deine persönliche Reise in einem Sprachstudium geht: An deutschen Universitäten kannst du neben Germanisitik, also der deutschen Sprache und Literatur, auch ganz viele andere Sprachen studieren. Das ist für manche in etwa so, als würden sie vor einer riesigen Theke voller unterschiedlicher Eissorten stehen. Vermutlich magst du nicht nur Erdbeer und Schoko, sondern findest auch neue Sorten, die du noch nie gegessen hast, spannend.

Falls du jahrelang in der Schule eine bestimmte Sprache (zum Beispiel die Klassiker Französisch und Spanisch) gelernt hast, kann das dein Startpunkt für ein Sprachstudium mit diesen Fächern sein. Vielleicht sprichst du Zuhause auch eine andere Sprache, die du jetzt in einem richtigen Sprachstudium weitervertiefen möchtest. Es gibt auch sogenannte Orchideen-Fächer wie zum Beispiel “Jiddische Kultur, Sprache und Literatur” an der HHU Düsseldorf oder “Iranistik: Sprache, Geschichte, Kultur” an der OFU Bamberg. Orchideen-Fächer nennt man solche Fächer deshalb, weil sie eher selten studiert werden und weniger Studierende haben. Das kann die Fächer für ein Sprachstudium aber sehr attraktiv machen, denn auf diese Weise bekommst du durch dein Studium einen Expertenstatus in einer Nische.

Häufiger werden natürlich Anglistik (also die englische Sprache, Kultur und Literatur) oder Romanistik (romanische Sprachen, beispielsweise Französisch) studiert. Viele Fächer kannst du nur anfangen, wenn du mindestens Niveau B1  vor Beginn des Sprachstudiums nachweisen kannst. An anderen Unis kannst du zum Einstieg Sprachkurse belegen, die dich schnell auf das passende Niveau bringen. Informier dich frühzeitig, inwiefern sich das auf den Studienverlauf und die Regelstudienzeit auswirkt.

Sprache als Werkzeug. Oder: In der Waffel, im Becher oder als Milkshake?

Wenn du dich für eine Eissorte entschieden hast, musst du noch herausfinden, was du damit machen willst: In der Waffel, im Becher oder als Milkshake? Nein, im Ernst: Sprachen sind Werkzeuge und das Sprachstudium befähigt dich im besten Fall dazu, gut mit ihnen umzugehen. So romantisch es auch klingt: Selbst die Arbeit im Verlag oder mit Literatur ist am Ende des Tages zu einem guten Anteil Handwerk. Daher solltest du ganz klar wissen, was du mit deinem neu in die Hand genommenen Werkzeug bewerkstelligen willst:

  • Übersetzen und Dolmetschen: Möchtest du Shakespeare und Co. ins Koreanische übersetzen? Oder möchtest du in face-to-face-Gesprächen Menschen helfen, sich zu verständigen? Allein in Deutschland ist dieser Markt rund eine Milliarde Euro groß.
  • Werbung und Marketing: Oder möchtest du Sprache und Kreativität kombinieren und den neuen ‘Clean2000’-Staubsauger deiner Firma bewerben? Expert_innen für Werbung und Marketing werden eigentlich mmer gesucht. Auch hierhin kann dich ein Studium bringen.
  • Public Relations oder Öffentlichkeitsarbeit: Willst du Kampagnen für ein Non-Profit gestalten, das sich für die Rettung der Meere einsetzt? Oder über die Einrichtung für Menschen mit Behinderungen deiner Stadt berichten?
  • Kommunikationstraining, Mediation, Beratung: Oder möchtest du dafür sorgen, dass sich Menschen besser verstehen, klarer kommunizieren, bessere Vorträge halten?
  • Unterrichten: Macht es dir Spaß, Menschen auf ihrem persönlichen Weg weiterzubringen und ihnen neues Wissen zu vermitteln? Dann ist Sprachen unterrichten vielleicht das richtige Ziel für dich!

Du siehst: Was du mit Sprachen machen kannst, ist mindestens ebenso vielfältig wie die Sprache selbst.

Was ist eigentlich… Linguistik?

Linguistik beschäftigt sich mit Sprache: Wie funktioniert Sprache? Aus welchen Einheiten besteht sie? Wie wird sie gebraucht? Wenn du denkst, du weißt das alles schon, liegst du leider daneben: Die menschliche Sprache wandelt sich ständig und ist deshalb eine Fundgrube an Forschungsobjekten. Zu lingustischen Forschungsfeldern gehören neben Grammatik auch das Lautsystem (Phonetik und Phonologie), die Bedeutung von Wörtern (Semantik) und der Gebrauch der Sprache (Pragmatik). Aber auch Spracherwerb und Sprachwandel sind wichtige Forschungsthemen. Wenn du Theorie(n) magst und dich gerne in der Tiefe mit einer oder mehreren Sprachen auseinandersetzt, dann ist Linguistik vielleicht dein Fach. Vielleicht konntest du dich schon entscheiden und weißt bereits, welche Sprache oder Sprachfamilie dein Herz höher schlägen lässt: Slawische Sprachen? Skandinavische Sprachen? Finnisch? All das kannst du auch studieren! Linguistik ist dann ein Bestandteil neben Literatur und Kultur. Oft lernst du auch noch etwas über die Geschichte verschiedener Länder.

Schoko und Vanille? – Beides, zweigleisig fahren!

Zweisprachige Studiengänge qualifizieren dich nicht nur in einem bestimmten Feld, sondern auch auf zwei Sprachen. Sie sind daher sehr attraktiv – auch bei Arbeitgeber_innen. Zweisprachige Studiengänge findest du auch unter den Begriffen binationale Studiengang, Doppelstudium oder Studium mit Doppelabschluss. Oft werden schon zu Beginn bestimmte Sprachkenntnisse verlangt. Informier dich vor deiner Bewerbung auf der Uni-Website. Du solltest auch darauf vorbereitet sein, eine Zeit im Ausland zu verbringen. Das ist nämlich Teil der meisten Sprachen-Studiengänge.

Ist ‘Abschluss’ Singular oder Plural?

Zweisprachige Studiengänge enden mit einem Abschluss (engl. degree). Bei einem double degree erhältst du jeweils einen Abschluss von jeder Uni, bei einem joint degree wird der Abschluss gemeinsam, in Namen beider beteiligter Universitäten vergeben.

Eine Anlaufstelle, wenn man mit deutsch-französischen Studiengängen liebäugelt ist die Deutsch-Französische Hochschule (DFH). Das ist ein Netzwerk aus fast 200 Hochschulen, die bi- und sogar trinationale Studiengänge anbieten. So kannst du beispielsweise Informatik in Rennes, Frankreich, und an der Technischen Universität Dresden studieren. Oder ‘Deutsch-Französische Studien: Wirtschaft und Recht’ in Nice, Frankreich, und Regensburg.

Die Kombination mit Französisch ist natürlich eine von vielen. Es gibt auch deutsch-niederländische Studiengänge oder deutsch-italienische, wie den  Master-Studiengang ‘Formen der Rationalität / Forme della razionalità’ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Möglichkeiten sind endlos!

Du kannst natürlich auch einfach verschiedene Philologien kombinieren – entweder als Lehramt oder fachwissenschaftlich. Dann hast du meist ein Haupt- und ein Nebenfach mit weniger Punkten. Häufig kombiniert werden zum Beispiel Germanistik und Anglistik.

“Irgendwas mit Medien – und Sprache!”

Wenn du ein Studium mit Sprachen und Medien anstrebst, hast du viele Möglichkeiten. Diese Studiengänge kombinieren oft kultur-, sprach- und sozialwissenschaftliche Perspektiven miteinander und schaffen so einen interdisziplinären Zugang. Alle Studiengänge, die Medien und Sprache kombinieren, hier aufzuzählen, ist nicht möglich, daher hier eine kleine Auswahl für alle, die sich nicht zwischen Sprache und Medien entscheiden wollen:

  • Journalismus: Der Klassiker! Du lernst viel über Nachrichten und ihre Verbreitung durch Medien. Der Studiengang kombiniert Publizistik, Kommunikations- und Medienwissenschaften.
  • Kommunikationswissenschaften: Dieser Studiengang beschäftigt sich mit Kommunikation und Medien. Dazu gehören neben wissenschaftlichen Methoden auch die Erforschung der  Wirkungsmöglichkeiten und Funktionen von Medien.
  • Public Relations: PR-Studiengänge zielen darauf ab, dich auf professionelle Öffentlichkeitsarbeit und journalistische Tätigkeiten vorzubereiten. Das ist kein schlechter Startpunkt, wenn dein Berufsziel auch im Bereich PR liegt.

Die Streusel auf dem Eis: Tourismus-Studium und Fremdsprachen

Sprachen und Tourismus lassen sich natürlich wunderbar kombinieren, zum Beispiel beim Studiengang ‘International Tourism Management’ oder ‘International Business’ mit Schwerpunkt Tourismusmanagement. In diesen Studiengängen ist Englisch eine wichtige Voraussetzung und der Fokus liegt auf Internationalität. Du kannst weitere Fremdsprachen? Ein klarer Vorteil für jeden, der sich im Studium mit Sprachen und Tourismus auseinandersetzen will. Auslandssemester sind normalerweise auch ein Teil internationaler Studiengänge, worauf du vorbereitet sein solltest.

Brotlose Kunst? Kommt drauf an!

Wie in allen Geisteswissenschaften kursiert auch in den Philologien das Gerücht, dass alle Absolvent_innen später als Taxifahrer_innen enden. Und auch, wenn das vielleicht nicht das schlimmste Schicksal ist (schließlich kann man auch da Sprachgebrauch beobachten und hat nebenbei einen bequemen Sitz), solltest du dir gut überlegen, ob es das ist, was du möchtest. Es gibt eine Vielzahl Absolvent_innen. Du solltest also frühzeitig relevante Berufserfahrung vorweisen können und dich durch weitere Qualifizierungen von Mitbewerber_innen abheben. Beliebt sind zum Beispiel Weiterbildungen zum Mediator oder zur Mediatorin – das sind Vermittler_innen in Kommunikationsprozessen – oder Beratungsweiterbildungen. Du kannst dich auch ohne eine Weiterbildung schon im Sprachstudium profilieren, indem du dir überlegst, was zu deinem spezifischen Berufsziel passt und welche Kompetenzen du dafür benötigst.

Weiterdenken

Denk über dein Fach hinaus: Das Sprachstudium – wie jedes Studium – ist eine gute Zeit, um dich selbst auszuprobieren.

Dolmetscher_innen und Übersetzer_innen haben auf dem globalen Markt gute Chancen, aber der Markt verändert sich gerade stark durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Einen spannenden Artikel dazu hat die FAZ verfasst. 

Daher denk’ zum Beispiel auch an Computerlinguistik. Das ist momentan ein sehr gefragtes Feld.

Natürlich ist auch der (leider nicht ganz so gut bezahlte) Deutsch als Zweitsprache- oder Deutsch als Fremdsprache-Bereich (kurz: DaF) sehr gefragt. Viele Unis bieten auch hier Zertifikate an, die du neben dem Studium absolvieren kannst.

Also: Die Frage “Sprachstudium und dann?!” kannst du auf vielerlei Weisen beantworten, denn Sprachen lernen zahlt sich aus!

Fazit: Wenn du für Sprachen brennst, ist auch ein Sprachstudium keine brotlose Kunst, sondern kann dich zu deinem Traumberuf führen. Denk’ frühzeitig auch an den Arbeitsmarkt und probiere dich durch Praktika und Nebenjobs aus, um Praxiserfahrung zu sammeln.

Viel Erfolg bei der Studienwahl wünscht

Rabea

Hier geht’s zum Studienführer der DFH: https://www.dfh-ufa.org/programme/studienfuehrer/

Mehr zu Sprache & Medien: https://www.studieren-im-netz.org/studienrichtungen/medien-und-kommunikation

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