Du bist Kind einer Arbeiterfamilie und möchtest gern studieren? Doch du hast niemanden in deiner Familie, der dir einen Rat geben kann? Dann bist du bei Motiviert Studiert genau richtig. Wir zeigen dir, dass sich ein Studium auch als Kind von Nicht-Akademiker-Eltern lohnt. Außerdem wollen wir einige wichtige Fragen klären, die rund um das Thema Studium als Arbeiterkind auftreten können. So findest du hier hilfreiche Tipps zur Studienfinanzierung und die Empfehlung für das Netzwerk Arbeiterkind.de.

Noch immer zu wenig Arbeiterkinder an den Unis?

Obwohl Hochschulbildung in Deutschland kostenlos ist, besteht noch immer ein Ungleichgewicht zwischen Studierenden aus Akademiker-Familien und Nicht-Akademiker-Familien. Die Anzahl der Studenten ist im Allgemeinen zwar gestiegen, der Anteil an Arbeiterkindern unter ihnen ist jedoch nahezu gleichgeblieben. Von je 100 Kindern schaffen 79 aus einer Familie mit mindestens einem studierten Elternteil und 27 aus Familien mit Eltern ohne Hochschulstudium den Sprung an die Universität.

Somit bilden Akademiker der zweiten und dritten Generation eine deutliche Mehrheit: 53% der Studienanfänger haben mindestens ein Elternteil mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium. In der Gruppe von 18-25-Jährigen der Gesamtbevölkerung machen diese aber nur 28% aus. Jedoch hat mehr als die Hälfte dieser Gruppe mindestens ein Elternteil, das einen Berufsabschluss ohne Abitur besitzt. Unter den Studienanfängern entspräche das einem Drittel.

Dieses Ungleichgewicht tritt allerdings nicht erst in der Universität auf. Schon zu Schulzeiten lässt sich diese Verteilung beobachten: Akademiker-Kinder besuchen deutlich häufiger die gymnasiale Oberstufe als Arbeiterkinder. Unter den Abiturienten, die ein Studium anstreben, kommen 84% aus akademischen und 72% aus nicht-akademischen Familien.

Studieren als Arbeiterkind – Wissenschaftler sehen verschiedene GrĂĽnde, dass das immer noch wenig vorkommt

Zum einen hat ein Hochschulabschluss in Akademikerkreisen möglicherweise einen höheren sozialen Stellenwert. Außerdem würden die Akademiker-Familien mehr Ressourcen besitzen, um die Kinder fördern zu können. Zum anderen jedoch ist auch das Wissen über die Kosten, Finanzierung und den Nutzen eines Studiums maßgeblich entscheidend.

Letzteres wurde durch eine Langzeitstudie bestätigt: Elternteile ohne Hochschulstudium schätzen die Kosten eines Studiums im Vergleich zu einer beruflichen Ausbildung eher zu hoch und den Nutzen eher zu niedrig ein. Informationen zum Studium werden von den Eltern an die Kinder weitergegeben und spielen eine entscheidende Rolle bei der Studienentscheidung. Zwischen 2007 und 2016 wurden mehr als 1500 angehende Abiturienten an 27 Berliner Schulen wiederholt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zu ihren Ausbildungszielen befragt. Wenn die Schüler noch während der Schulzeit hinreichend Informationen erhielten, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit auf die Einschreibung in einen zulassungsfreien Studiengang oder die Bewerbung auf einen Studienplatz.

Karrieremachen als Arbeiterkinder?

Studieren macht Sinn und das nicht nur für Akademiker-Kinder. Denn: Wer studiert hat, verdient später auch besser. Im Durchschnitt erhält eine Person mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium mehr Lohn als mit einer beruflichen Ausbildung: Das Gehalt zum Berufseinstieg nach dem Studium liegt bei 2750€ netto im Monat. Im Gegensatz dazu erhalten fertig ausgebildete Lehrlinge 1400€ netto im Monat. (Die Zahlen variieren je nach Berufsgruppe und Studienabschluss.)

Innerhalb von Workshops an Schulen befragte man die Schüler zum Thema Studium. 42% wussten bereits, dass ein Hochschulabschluss das Arbeitslosenrisiko senken kann. Und trotzdem kann man die Kinder, insbesondere aus Nicht-Akademiker-Familien, nicht genügend ermutigen, sich für ein Studium zu entscheiden. Denn von 100 Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil studiert hat, gehen 79 an eine Hochschule und 63 machen einen Bachelorabschluss. Den Masterabschluss absolvieren davon 45 und nur 10 promovieren im Anschluss des Studiums. Vergleicht man diese Zahlen mit einer Gruppe von 100 Kindern aus Familien ohne Hochschulerfahrungen (und von ihnen gibt es in der Bevölkerung weitaus mehr), lässt sich ein Verhältnis von 5:1 erkennen.

Trotz der optimalen Ausbildungsbedingungen und Karrierechancen sind Nicht-Akademiker- Kinder noch immer unterrepräsentiert.

Welche Herausforderungen bringt ein Studium mit sich?

Neben einem Umzug in eine neue Stadt oder die Suche nach der ersten eigenen Unterkunft können noch weitere Anforderungen auf Studienanfänger zukommen:

Das System „Uni“ verstehen ist gar nicht so leicht. Ihr beginnt, zu studieren, und dann stehen auf einmal Begriffe im Raum wie: Musterstudienplan, Seminar, Kolloquium, Prüfungsanmeldung u.v.m. Doch keine Angst, selbst die Online-Verwaltungstools und die Prüfungsanmeldung hat man irgendwann raus. An der Uni gibt es überall Anlaufstellen und Ansprechpartner, die einem dabei helfen.

Die Finanzierung sollte im Vorfeld des Studiums gut geplant und kalkuliert werden. Gerade Arbeiterkinder können teilweise nicht ausreichend durch die Eltern unterstützt werden. Aber durch diverse Möglichkeiten kann auch dieses Problem gelöst werden (siehe unten). Finanzierungsängste oder Schuldensorgen sollten euch also nicht vom Studieren abhalten.

Fremdheitsgefühle oder das Gefühl des Nichtverstandenwerdens sind am Anfang ganz normal. Man bewegt sich in einem neuen Umfeld, hat viele unbekannte Gesichter und gehört noch nicht ganz dazu. Keine Bange! Die älteren Studierenden organisieren gerade für Studienanfänger (und während der Semester gibt es sowieso eine „Studentenszene“) viele Veranstaltungen, bei denen man sich informieren, kennenlernen und integrieren kann. Alles kann, nichts muss. Und Studieren bedeuten immer auch: genießen!

 

Wenn die Familie nicht mehr weiter weiĂź, wer hilft mir dann?

Ansprechpartner in der Schule sind neben den Klassen- und Vertrauenslehrern vor allem auch die Oberstufenkoordinatoren. Auch auf Berufs- und Studienmessen findet man Informationen rund um das Thema Studium. Dort kann man direkt mit Personen und Studierenden der jeweiligen Universität sprechen und diverse Fragen klären. Sei es zum Hochschulstandort, zur Universität oder spezieller zu einem Studiengang oder späteren Berufsmöglichkeiten. Außerdem gibt es Studieninformationstage, die – ähnlich wie die Hochschultage – als Art „Tag der offenen Universitätstür“ verstanden werden können. Hier können neben den jeweiligen Gebäuden und Örtlichkeiten beispielsweise auch bestimmte Vorlesungen und Veranstaltungen als Gasthörer besucht werden. Wer zu Schulzeiten noch etwas intensiver in das Unileben reinschnuppern möchte, sollte außerdem Angebote wie Summer Schools besuchen. Diese werden von den Universitäten meist während der vorlesungsfreien Zeit angeboten und wollen Schüler bereits aktiv mit einbinden. So kann man sich mit bestimmten Themen auseinandersetzen und neben der Uni auch noch nette Leute kennen lernen.

Ansprechpartner an der Uni fĂĽr allgemeine Belange, wie die Bewerbung um einen Studienplatz, ist das Studierendensekretariat. Geht es aber bspw. spezieller um Belange zu den PrĂĽfungen, dann ist das PrĂĽfungsamt die erste Anlaufstelle. Die jeweiligen Institute und Studiengänge haben zusätzlich ihre eigene Studienberatung, die sowohl Studieninteressierte als auch aktiv Studierende spezifisch zu ihrem Studienverlauf beraten kann. DarĂĽber hinaus gibt es an vielen Universitäten einen Verbund der Studierenden. In vielen Städten ist das beispielsweise der Allgemeine Studierendenausschuss – kurz AStA. Dieser wird von Studenten fĂĽr Studenten betrieben und steht ebenso mit Rat und Tat fĂĽr vielerlei Anliegen zur Seite. Zusätzlich gibt es noch das Studierendenwerk, das neben der Vergabe von Wohnheimplätzen auch psychologische UnterstĂĽtzung oder Hilfe bei dem BAföG-Antrag leistet. 

 

Studienfinanzierung – auch für Arbeiterkinder?

Obwohl wir in Deutschland mittlerweile keine StudiengebĂĽhren bezahlen mĂĽssen, muss festgestellt werden: Studieren kostet Geld.

Das macht das Studieren als Arbeiterkind nicht gerade leichter.

Es entstehen unter anderem Kosten durch Semesterbeitrag (je nach Uni unterschiedlich hoch), Miete, Büchergeld und Vieles mehr Ehe man wegen finanzieller Nöte oder Sorgen vor Schulden ein Studium abbricht oder gar nicht erst beginnt, sollte man sich im Vorfeld ausführlich über die Finanzierungsmöglichkeiten informieren.

Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG)

Wenn die Eltern nicht genügend Einkommen haben, um ihre Kinder beim Studieren zu unterstützen, greift das BAföG. Auch wenn die Antragsstellung nicht ganz einfach und mit vielen Formularen verbunden ist, lohnt sich eine Berechnung immer. Durch diese staatliche Förderung erhalten die Empfänger je nach Einkommen der Eltern bis zu 735€ monatlich. Diese Summe setzt sich jeweils zur Hälfte aus einem Zuschuss und einem zinslosen Darlehen zusammen. D.h. für den Geförderten: Nur die Hälfte des Geldes muss nach Beendigung des Studiums zurückgezahlt werden. Die Schuldensumme ist jedoch auf 10.000€ begrenzt. Erst fünf Jahre nach Studienende und auch nur ab einem bestimmten Einkommen setzt die Rückzahlpflicht ein.

Stipendium

„Stipendien sind doch nur was für Schlaumeier. Das krieg ich nie, wenn ich als Arbeiterkind studiere!“

Solche oder andere Gedanken kreisen bei vielen im Kopf umher, sobald sie an Stipendien denken. Was viele dabei außer Acht lassen, ist: Die Chancen auf ein Stipendium, vor allem für Arbeiterkinder, sind besser, als man im Vorfeld glaubt. Denn Bestnoten sind nicht alles, was bei einem Stipendium zählt. Zusätzlich werden Motivation, Persönlichkeit und Engagement des Studierenden berücksichtigt. Je nach Förderwerk gelten unterschiedliche Auswahlkriterien und es gibt verschiedene Auswahlverfahren.

Was oft nicht bekannt ist: Neben der finanziellen Förderung bieten die meisten Werke immer auch eine ideelle Weiterbildung an.

Informieren und bewerben lohnt sich also in jedem Fall!

Nebenjob als Arbeiterkind

Egal, ob ĂĽber ein Praktikum, einem Semesterferien-Job oder als Werksstudent bzw. studentische Hilfskraft:  Finanzierungsmöglichkeiten gibt es unendlich viele. Wichtig dabei ist jedoch: Der Job sollte nicht so ressourcenraubend sein, dass ihr das Studium aus dem Blick verliert. Denn ihr solltet euch in vorderster Linie auf das Studieren konzentrieren.

Studienkredit

Selbst vor einem Kredit muss man nicht unbedingt zurückschrecken. Es gibt sehr viele Angebote, wie den Bildungskredit vom Bundesverwaltungsamt, den KfW-Studienkredit oder andere zinslose Darlehen. Man sollte aber im Vorfeld immer genau kalkulieren und sich auch von unabhängigen Personen ein Angebot für die Finanzierung einholen. Denn was man immer im Kopf haben muss: Der Kredit muss nach dem Studium vollständig wieder zurückgezahlt werden.

 

Netzwerk Arbeiterkind.de 

FĂĽr alle, die als Erste in ihrer Familie studieren

Das Netzwerk Arbeiterkind.de richtet sich an alle Kinder aus Familien ohne Hochschulerfahrungen und möchte diese ermutigen, ein Studium aufzunehmen. Gegründet und betrieben wird dieses Netzwerk von Personen, die selbst Arbeiterkinder waren und dann studiert haben. Als persönliche Vorbilder und durch Betreuungsangebote oder Workshops vor Ort möchten die Ehrenamtlichen die Hemmschwelle zur Entscheidung für ein Studium senken. So erhält man neben Erfahrungsberichten auch hilfreiche Tipps und Tricks zu Finanzierungsmöglichkeiten und kann Kontakte knüpfen. Außerdem leisten sie schon zu Schulzeiten Unterstützung, um den Übergang zum Studium leicht zu machen. In regionalen Gruppen können sich die Studierenden an den Universitäten austauschen und werden selbst beim Berufseinstieg nicht allein gelassen.

Ein wirklich großartiges Netzwerk, das ihr euch – genau wie die anderen – unbedingt ansehen solltet! Habt den Mut, euren eigenen Weg zu gehen.

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