Bist du zwischen 1980 und 2000 geboren? Dann bist du ein Millennial und gehörst zu einer Bevölkerungskohorte namens Generation Y. Die etwas jüngeren Personen dieser Kohorte werden oftmals auch als Digital Natives bezeichnet. Sie sind mit dem Internet und den ersten sozialen Netzwerken großgeworden. Social Media wurden ihnen praktisch in die Wiege gelegt. Aus dem Alltag der Millennials sind soziale Medien kaum noch wegzudenken. Wo sich neue Möglichkeiten auftun, sind meist auch Risiken zu beachten. Welche Auswirkungen haben Social Media auf unser Studium und unsere Abschlussnote?

Steht die Social Media-Nutzung unserem Studienerfolg im Weg?

Ziele & Werte der Digital Natives

Unsere Generation ist technikaffin, freiheitsliebend, weltoffen und strebsam. Wir legen Wert auf Gerechtigkeit, Bildung und Flexibilität. Unser Ziel ist es Netzwerke zu schaffen und uns schnell weiterzubilden. Das gelingt uns aufgrund des technologischen Fortschritts im Handumdrehen. Whiteboards ersetzen Tafeln, Smartphones lösen Schiebe-, Klapp- oder Blockhandys ab und will man uns kontaktieren, fragt man nicht mehr nach der Festnetznummer sondern nach der Handynummer, dem Instagram-Account oder dem Facebooknamen. Wir können schnell mit unseren Mitmenschen in Kontakt treten, egal ob beruflich oder privat.

Die Social Media-Nutzung von Studierenden

Das Social Media-Phänomen ist nichts Neues. Die meisten großen sozialen Netzwerke bestehen bereits seit über 10 Jahren. Dementsprechend sind wir mit ihnen vertraut. Wir nutzen sie täglich für vielfältige Zwecke.

Viele Statistiken zur Social Media-Nutzung zeigen, dass wir Facebook, Instagram & Co. sehr frequentiert nutzen. Der Global-Digital-Report 2018 zeigt das stetige Wachstum der Internet- und Social Media-Nutzung. Hier die spannendsten Zahlen: Deutsche halten sich täglich durchschnittlich eine Stunde und 13 Minuten auf Social Media-Plattformen auf. Im Internetsind wir täglich für vier Stunden und 53 Minuten. Die Altersgruppe mit den weltweit meisten Instagramprofilen ist die Gruppe der 18-24 Jährigen. Die meisten Facebookprofile haben Personen zwischen 25-34 Jahren, dicht gefolgt von den 18-24 Jährigen. Im Jahr 2017 nutzten 90% aller deutschen Studenten Social Media mehrmals in der Woche. In der Gesamtbevölkerung lag die Nutzung nur bei 52%. Einfach aufgrund der Zugehörigkeit zur Generation Y nutzen Studenten die Social Media Angebote ausgiebig.

Auswirkungen auf deine Noten – Das sagt die Forschung!

Eins steht fest: Social Media haben auf jeden Fall Auswirkungen auf deine Abschlussnote! Die meisten Studienergebnisse sind auf den ersten Blick jedoch eher ernüchternd: Wenn es überhaupt einen Effekt gibt, sei dieser sehr gering. Die Forschungslandschaft ist vielseitig: Gibt es eine Studie die behauptet Social Media-Nutzung verursacht schlechte Noten, dann wird wenig später eine Studie veröffentlicht die den gegenteiligen Effekt berichtet. In der Forschung finden wir viele Ergebnisse – vor allem viele verschiedene!

Hier noch eine kurze Anmerkung zu den Studien: Wenn wir uns Studienergebnisse anschauen, ist es sehr wichtig zu beachten, dass die gefundenen Zusammenhänge keinesfalls kausal sein müssen. Manche statistischen Verfahren erlauben keine Rückschlüsse auf die Richtung des Einflusses. Es könnte daher auch sein, dass weniger erfolgreiche Studierende einfach zufällig mehr soziale Medien nutzen als erfolgreichere Studierende. Eine weitere Möglichkeit: Schlechte Noten führen zum gehäuften Nutzen der Social Media-Seiten und nicht umgekehrt! Es muss also nicht zwangsläufig der Fall sein, dass der Social Media-Konsum die Ursache ist.

Zudem ist gelegentlich das Problem, dass nicht differenziert genug erfasst wird, wodurch die sozialen Medien unsere Noten beeinflussen. Größere Effekte in den Noten zeigen sich tatsächlich erst, wenn wir uns detaillierter anschauen welche Bereiche unseres Lebens durch Social Media beeinflusst werden. Nur so können wir erkennen, wie groß die Auswirkungen der sozialen Medien auf unsere akademische Leistung und auf unsere Noten sind.

Daher gehe ich nun auf die die bedeutsamsten Wirkweisen ein, die zeigen, wie sich Social Media und unsere Noten gegenseitig beeinflussen.

Die vielen Rollen von Social Media im Studium

Rolle 1 – InformationsĂĽbermittler

Informationen sind so zugänglich und aktuell wie noch nie zuvor. Der Informationsfluss ist unfassbar schnell und hat eine enorm große Reichweite. Davon profitieren auch wir Studenten. Bei Verständnisschwierigkeiten des Lernstoffs bitten wir unsere Kommilitonen per Nachricht um Hilfe, schreiben unsere Frage in ein Forum oder nutzen ganz einfach Facebookgruppen zur Recherche.

Hier muss zwischen der reinen Nachfrage mit der unreflektierten Übernahme von Antworten und dem Erarbeiten einer Antwort, um ein tieferes Verständnisses des Themas zu erlangen, unterschieden werden. Oftmals finden wir schnell eine Antwort auf unsere Frage. Diese übernehmen wir häufig ohne uns näher mit ihr auseinanderzusetzen. Aufgaben lassen sich so zwar schneller und gezielter erledigen, die Informationen speichern wir aber nicht dauerhaft ab. Für erfolgreiche Prüfungen und gute Noten ist es sinnvoller, Informationen online zu gewinnen, sie eigenständig auszuarbeiten und auswendig zu lernen. Studenten, die sich in Onlineforen Antworten suchten, hatten schlechtere Noten als die Studenten, die den Lernstoff elaborierten. Das zeigt eine Studie zum Thema face-to-face Diskussion vs. Online Diskussion. Daher: Die Bandbreite an Quellen nutzen, aber keinesfalls nur hinnehmen!

Rolle 2 – Ablenkungsreiz

In der Vorlesung ist unsere Aufmerksamkeit meist nicht nur auf den Referenten gerichtet. Smartphone und Laptop bieten ausreichend attraktive Ablenkungsreize. Wir beantworten Nachrichten, scrollen durch den Twitterfeed oder pinnen neue DIYs auf Pinterest. Besonders wenn die Vorlesung wenig fesselnd ist, geben wir uns den Social Media hin.

Mit dem einen Ohr hören wir zu, während unsere Augen auf den Bildschirm gerichtet sind. Betreiben wir Multitasking? Multitasking beschreibt den simultanen Ablauf von mindestens zwei informationsverarbeitenden Prozessen. Das bezieht alle gedanklichen Vorgänge mit ein, die nicht automatisiert erfolgen. Tatsächlich sind Menschen jedoch gar nicht in der Lage mehrere Tätigkeiten gleichzeitig auszuführen. Statt Multitasking spricht man daher vom task-switching. Wir machen nämlich nicht zwei Dinge gleichzeitig sondern wechseln von der einen Tätigkeit zur nächsten und wieder zurück. Wir nehmen immer an, dass wir beim Multitasking genauso effizient arbeiten. Doch das stimmt ganz einfach nicht! Unsere Effizienz beim Multitasking ist wesentlich geringer als sie beim seriellen Ausführen dieser Aktivitäten wäre.

Dieses sogenannte task-switching kannst du gut mit dem Öffnen mehrerer Tabs in einer Registerkarte vergleichen. Wie beim vermeidlichen Multitasking sind mehrere Aufgaben oder Informationsquellen aktiv. Du hast aber nur eine Ressource. Das heißt deine Augen können nur auf eine Informationsquelle gerichtet sein. Du kannst also nur einer Aufgaben wirklich nachkommen. Das Wechseln von einem Tab zum anderen kostet dich Energie und Aufwand. Du musst umschalten und dich erneut einlesen.

In der Vorlesung sorgt task-switching vom Dozenten zum Smartphone für folgendes: Du schneidest nicht alle Informationen mit und kommst zudem schwieriger wieder ins Thema, wenn du deine Aufmerksamkeit zurück auf die Vorlesung richtest. So entstehen Wissenslücken und Verständnisfragen, die sich nur mit zusätzlicher Zeit und Recherche beheben lassen. Deine Noten bzw. deine Leistung im Studium könnte darunter leiden.

Rolle 3 – Zeitfresser & Prokrastionationsförderer

Eine Studie mit dem passenden Titel „Too much face and not enough books“ untersuchte, ob das Nutzen von Facebook mit schlechteren Noten zusammenhängt. Die Forscher fanden heraus, dass die Zeit die man auf Facebook verbringt ein starker Prädiktor für die Leistung ist. Besonders wenn man sehr viel Zeit für Facebook opfert, hat das negative Folgen für die Abschlussnote.

Erstaunlicherweise liegt das (zumindest laut dieser Studie) jedoch nicht an der dadurch geringeren verbleibenden Zeit für das Lernen. Andere Studien unterstützen dieses Argument, indem sie behaupten, dass vorherige Generationen ebenso lang anderen Aktivitäten nachgingen. Nur waren sie eben nicht bei Facebook sondern schauten fern, lasen Zeitungen oder waren an der frischen Luft. Eine Hypothese, die den Effekt dennoch erklären könnte: Vielleicht fällt es uns schwerer nach langen Social Media Eskapaden die Konzentration aufrecht zu halten. Neuer Lernstoff lässt sich dadurch schwieriger merken, was für schlechtere Noten sorgt.

Fest steht jedoch, dass durch Social Media einfach viele Prokrastinationsmöglichkeiten geschaffen wurden. Die Flut an Informationen, die wir konsumieren könnten, macht es manchmal schwierig dem nicht nachzugeben. Durch Social Media bedarf es daher eines guten Zeitmanagements.

Rolle 4 – Potenzielle Droge

Internetsucht ist zwar noch keine eingetragene Diagnose in den anerkannten Diagnosesystemen, dennoch verlangen Forschung und Praxis weiterhin, diese als Sucht anzuerkennen und untersuchen fortwährend das neuartige Phänomen. Die Symptome der Social Media- und Internetabhängigkeit sind die gleichen wie bei der Alkoholabhängigkeit: Exzessiver Gebrauch, Toleranzentwicklung und sozialer Rückzug. Durch die Pop-ups und dem ständig wechselnden Angebot an Informationen werden wir in unser Social Media-Nutzung positiv verstärkt. Jede neue Nachricht wirkt auf manche Studenten wie ein kühles Bier auf einen Alkoholabhängigen. Der massenhafte Konsum kann abhängig machen.

Die Probanden einer Studie zur Internetsucht zeigten vor allem zwei Symptome: Sie verbringen einen erheblichen Teil ihrer verfügbaren Zeit im Internet und vor allem länger als von ihnen intendiert war. Laut dieser Studie wurden 9,7% der untersuchten Studenten als süchtig klassifiziert. Der wohl schlimmste Nebeneffekt dieser Abhängigkeit: Sie erhöht das Risiko, andere Suchterkrankung zu entwickeln. Hierbei ist meist nicht nur die psychische Abhängigkeit sondern eben auch die physische Abhängigkeit gefährlich.

Rolle 5 – Kontaktpfleger

Soziale Medien heißen aus einem ganz bestimmten Grund so! Sie ermöglichen uns das Knüpfen und Pflegen sozialer Kontakte. Ganz besonders für Erstsemester und Studienanfänger hat dies einen großen Stellenwert. Laut Studien sind die sozialen Medien besonders wertvoll, um bereits bestehende Kontakte und Freundschaften weiterauszubauen. Durch das Betrachten der Profile unserer (Facebook)freunde erfahren wir mehr über ihre Interessen und können dieses Wissen bei der Planung gemeinsamer Unternehmungen nutzen. Soziales Engagement, Lebenszufriedenheit und Vertrauen sind laut einer Studie positiv mit der Facebook-Nutzung assoziiert. Social Media erleichtern also nicht nur die Kommunikation sondern machen uns letztendlich sogar zu besseren Freunden und sozialeren Menschen. Das wiederum macht uns glücklicher und somit leistungsfähiger. Durch die Kontaktpflege bekommen wir also über Umwege sogar bessere Noten.

Rolle 6 – Stimmungsmacher

Unsere Stimmungslage sowie unser allgemeines Wohlbefinden haben beträchtliche Auswirkungen auf unsere Merkfähigkeit, Konzentration und Motivation. Daher ist es nicht zu unterschätzen welche Auswirkungen die Nutzung sozialer Medien auf unser Wohlbefinden hat, denn dieses wiederum kann große Auswirkungen auf unsere Leistungsfähigkeit und dadurch auf unsere Noten haben.

In zahlreichen Studien wurden Auswirkungen der Social Media-Nutzung auf das Wohlbefinden von Studenten und Studentinnen untersucht. Hierbei war entscheidend welchen Aktivitäten in den Social Media nachgegangen wurde bzw. mit welchem Ziel sich die Studierenden online aufhielten. Wenn die College-Studenten in Chat-Foren schrieben, mit anderen telefonierten oder auf Seiten wie Facebook Networking betrieben, so wurden sie als „sozial motiviert“ kategorisiert. Waren sie sozial motiviert, so führte das zu einem größeren Wohlbefinden. Wollten die Collegestudenten hingegen im Internet surfen, Videos schauen oder Computerspiele spielen, so unterlagen sie eher einer Einzelgängernatur. Die fehlende soziale Komponente führte zu einem geringen Wohlbefinden. Ebenso verhielt es sich mit den Studierenden, die die sozialen Netzwerke nutzten um zu prokrastinieren oder sich die Zeit zu vertreiben.

Social Media werden außerdem häufig als eine Möglichkeit wahrgenommen, um mit Stressoren umzugehen. Social Media-Nutzer suchen online nach Unterstützung und Bestätigung. Personen mit diesem Ziel sind meist einsamer, zurückhaltender, ängstlicher und depressiver als Personen, die Social Media zur Kontaktpflege nutzen. Seiten wie Facebook und Instagram ermöglichen das Selbstbild und Selbstwertgefühl aufrechtzuhalten oder zu erhöhen. Häufig geht das mit der Verzerrung der Realität einher. Das selektive Preisgeben, Bearbeiten oder Verändern von Informationen und Fotos kann durchaus positive Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl von Studierenden haben. Bis zu einem gewissen Grad ist das „Provozieren von Komplimenten“ durch Selbstdarstellung also sogar positiv.

Halten wir uns auf bildbasierten Social Media-Plattformen wie Instagram, Tumblr, Reddit, YouTube und Pinterest auf, ist das Risiko von bekannten Personen diskriminiert zu werden geringer, da die Kommentarfunktion meist eingeschränkt ist bzw. meist auf fremde Personen begrenzt ist. Unser Wohlbefinden ist bei Nutzung dieser Social Media daher meist größer als bei der Nutzung von Facebook. Mobbing und Diskriminierung gelingt hier leichter und ist meist persönlicher.

Also: Sind Social Media gut oder böse?

Ein wenig von beidem! Social Media erfüllen viele Rollen in unserem Leben und haben daher vielfältige und unterschiedliche Auswirkungen auf unser Studium. Social Media sind per se nicht schlecht, sie erfordern jedoch einen gekonnten Umgang. Selbstkontrolle, Selbstdisziplin, Medienkompetenz, Reflexionsfähigkeit und Zeitmanagement. Bauen wir diese Fähigkeiten und Kompetenzen weiter aus, können wir Social Media ohne Probleme für uns nutzen und vielfach davon profitieren. Die Auswirkungen von Social Media können also durchaus positiv sein und sich in deinen Noten bemerkbar machen!

In diesem Sinne frohes twittern, posten und liken!

Emilie

Interessante Links:

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/studenten-nutzung-soziale-medien-13479248.html

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