Auch ich leide unter Aufschieberitis! Spätestens jetzt, kurz vor dem Abschluss meines Studiums, merke ich, wie stark ich tatsächlich betroffen bin. Seit einigen Semestern sind so manche Aufgaben liegen geblieben. Das Problem: Die Aufgaben wurden wichtiger, deren Erledigungen zeitgleich unangenehmer und sie kreisten ohne Pause in meinem Kopf. Zum Glück stolperte ich über die Eat that Frog-Methode. Das Konzept „Eat that Frog!“ stammt von Brian Tracy, einem Autor der sich im Speziellen mit Selbstverwirklichung und Erfolg beschäftigt, und soll bei der Bewältigung von ungeliebten Aufgaben helfen.

Zitat, genau das Problem, das Eat that Frog lösen soll

Perfekt!

Denn die Aufgaben müssen spätestens JETZT bewältigt werden.

Obwohl die Aufforderung „Eat that Frog!“ eklig klingt, habe ich sie #motiviertprobiert!

Bestandsaufnahme

Heute ist es so weit. Der erste Schritt der Eat that Frog-Methode wird gewagt.

Ich stelle mich den ungeliebten, aufgeschobenen Aufgaben. Bei einer Tasse Kaffee liste ich alles auf, was unerledigt blieb. Jede Kleinigkeit. Punkt eins: Leistungsnachweise müssen abgeholt werden. Dabei kommen folgende Fragen auf: In welchem Semester habe ich die Klausuren nochmal geschrieben? Klasse, vor ungefähr zwei Jahren. Und wie war der Name der Dozentin? Darüber muss ich nachdenken. Was wohl die Sekretärin von mir halten wird, wenn ich jetzt erst vorbei komme, um den Leistungsnachweis abzuholen? Hat sie ihn überhaupt noch? Wann ist ihre Sprechzeit? Ich google. Notiere die Sprechzeit. Die Erkenntnis: Ich bin ein Trottel. Wieso lass ich den Leistungsnachweis dort so lange liegen?! [Yeay. Ich gestehe anderen total gern meine Aufschieberitis.]

Dann gibt’s da noch diese uninteressante Hausarbeit, die geschrieben werden will. Der Dozent hat darum gebeten, ihm vorab eine Gliederung zum Thema zu schicken. Ich sollte recherchieren. Die Zeit drückt natürlich schon wieder. Keine Überraschung. Das heißt also, ich muss recherchieren. Bald. Notiert als Punkt zwei. [Yeay. Noch mehr Bibliothek.]

Das war noch nicht alles

Außerdem wollte ich auch endlich mal checken, ob ich wirklich alle Leistungsnachweise und genügend Semesterwochenstunden gesammelt habe, um mich für die Abschlussprüfungen anzumelden. Punkt drei. [Yeay. Papierkram.]

Meine Braindump-Liste, die mir sehr bei der Eat that Frog-Methode hilft, wächst. Außer mir wird diese Liste niemand sehen. Darum kann ich ehrlich mit mir selbst sein und kann auch richtig blöde, unbequeme Aufgaben festhalten. Da fällt mir ein: Zahnarzt… och nö. Ich notiere Punkt drei: Zahnarzt. [Yeay. Bin also auch in privaten Dingen gut beim Prokrastinieren.]

So geht es weiter.

Insgesamt stelle ich fest: neun Frösche sind zu fressen. Ich ordne sie nach Priorität. „Na dann legen wir mal los“, denke ich mir entgeistert. [Yeay. Es ist von jedem etwas dabei: unter anderem Überwindung von Ego und Angst und auch noch Fleißarbeit. Ich freu mich. Nicht. Yeay.]

Eat that Frog – die Theorie wird zur Praxis

Tracy sagt, man solle sich für die erfolgreiche Umsetzung von Eat that Frog jeden Tag eine Aufgabe vornehmen. Die Durchführung sollte zu Beginn des gewohnten Tagesablaufs geschehen, damit die Angelegenheit abgehakt ist und man wie gewohnt weitermachen kann. Macht Sinn.

Also gehe ich am nächsten Tag gleich früh morgens zur Sekretärin. „Guten Tag, ich möchte meinen Leistungsnachweis abholen“, sage ich mit etwas flauem Magen. „Name des Seminars? Semester? Und wer sind Sie?“ Diese Auskünfte kann ich locker geben, da ich die Eckdaten recherchiert habe. „Ich bin froh, dass ich diesen Schein rausgeben kann, hier liegen noch so viele aus den letzten Semestern rum. Auch Hausarbeiten“, erfahre ich. Puh, dann bin ich wohl nicht die Einzige mit diesem Problem und die Sekretärin scheint auch freundlich zu sein. Ich halte meinen Schein endlich in der Hand und verabschiede mich.

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Das war Erfahrung Nummer eins mit der Eat that Frog-Methode. Mit einem Lächeln auf den Lippen verstaue ich den Schein in meiner Tasche. Es ist grad mal neun Uhr. [Yeay! Schein! Studiumsende ich komme!]

Ich bin motiviert, rufe beim Zahnarzt an und mache einen Termin für die nächste Woche. Für morgens, versteht sich. Um zehn Uhr sitze ich dann wie gewohnt im Seminar.

Der Effekt der Eat that Frog-Methode

Durch das frühe Fressen der Frösche in den Morgenstunden fühle ich mich erleichtert. Für das Ausmalen von möglichen Horrorszenarien bleibt morgens nur wenig Zeit. Ich merke, wie meine Frosch-Liste schrumpft. Der Satz: „To Do-Listen abhaken macht mich glücklich“, trifft voll auf mich zu. Den Rest des Tages kann ich meinen täglichen Aufgaben widmen, ohne darüber nachzudenken, dass ich ja nachher noch einen Frosch bewältigen muss.

Ein großartiges Konzept

Ich habe für mich festgestellt, dass die Eat that Frog-Methode ein großartiges Konzept ist, um die wichtigsten und zeitgleich dringlichsten Aufgaben der Eisenhower-Matrix endlich abzuarbeiten. Die neun Frösche konnte ich in nur zwei Wochen erledigen. Ich merkte, dass Menschen auch in Situationen, die ich mir monatelang schlimm ausmalte, kooperativer sind als ich vermutete.

Der Überblick über das bisherige Studium war am aufwendigsten. Ich brauchte einen knappen Tag, viel Kaffee und starke Nerven, weiß nun aber woran ich bin. Diese Aufgabe war ein Riesenfrosch. Damit habe ich bereits rechnen können, deshalb legte ich sie mir auf einen Samstag. Der Lohn: zu wissen, dass die Abschlussanforderungen beinahe vollständig erfüllt sind. [Yeay! Endlich dem Traumjob so nah!]

Der beste Aspekt

Das Wertvollste für mich: Es nagt nichts mehr an meinem Gewissen. Ich kann mich den Aufgaben widmen, die jetzt eine Rolle spielen. Ich empfehle diese Methode ausnahmslos weiter. Vor allem den Leuten, die von den aufgeschobenen Aufgaben tagein, tagaus verfolgt werden.

Ich freue mich, mich endlich auf die Abschlussprüfungen konzentrieren und die folgenden Tipps anwenden zu können. Denn ich stehe so kurz davor, in meinem Traumjob zu arbeiten. [Yeay!]

 

In diesem Sinne:

Gehe auch du raus in die Welt und EAT THEM ALL! 😉

Viele Grüße,

Anne

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