Ob bei der Partnersuche oder dem WG-Casting, entscheidend ist, dass die Chemie stimmt. Nichts ist schöner als sagen zu können: Das passt wie Arsch auf Eimer oder wie die Faust aufs Auge oder wie der Schlüssel zum Schloss.

Nicht ohne Grund gibt es so viele Sprichwörter, denn: Wenn es um die wichtigen Dinge geht, muss es eben passen. Das gilt auch für deine Prüfung und die Lernstrategie, die du verwendest, um dich auf die Prüfung vorzubereiten. Mit den richtigen Lernstrategien steht deinem Prüfungserfolg nichts mehr im Weg!

Warum sollte ich Lernstrategien anwenden?

Die richtige Anwendung von Lernstrategien steigert deine Lernleistung. Die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen ist durch sie effektiver und dein Lernprozess dadurch effizienter. Du machst nur noch das, was dich nachweislich zum Erfolg führt. Durch die langfristige Anwendung derselben Lernstrategie(n), stellt sich Routine ein, sodass dir das Lernen leichter fällt.

Lernstrategien wenden wir teilweise sogar unbewusst an! Es kann also gut sein, dass du bereits die ein oder andere Strategie anwendest ohne es zu wissen.

Was sind Lernstrategien?

Eine Strategie ist eine zielführende Handlungssequenz. Eine Lernstrategie ist also eine Abfolge von Handlungen, die uns beim Erreichen des Lernziels unterstützt. Im Gegensatz zur Lernstrategie sind Lerntechniken spezifischer und beschreiben konkrete Teilhandlungen. Das Erstellen von Notizen ist beispielsweise eine Lernstrategie, wohingegen das Gliedern deines Blattes und das Hervorheben der Schlüsselbegriffe auf deinen Notizen Lerntechniken darstellen.

Welche Lernstrategien gibt es?

Lernstrategien gehen weit über Strategien des Auswendiglernens hinaus. Zeitmanagement, Motivation und Arbeitsplatzgestaltung gehören ebenso zu den Bereichen, die wir beim Lernen strategisch ausgestalten. Es gibt viele verschiedene Arten, Lernstrategien zu kategorisieren. Ich stelle euch nun zwei Kategorisierungen vor.

Die gängigste Unterteilung von Weinstein & Mayer (1986) unterscheidet zwischen kognitiven und metakognitiven Strategien sowie Strategien des Ressourcenmanagements.

Zu den kognitiven Strategien gehören alle Strategien, die beschreiben, wie wir Informationen verarbeiten. Zu ihnen gehören Memorier-, Elaborations-, Transformations- sowie reduktiv-organisierende Strategien. Mit ihrer Hilfe lernen wir auswendig, erlangen ein tieferes Verständnis für den Lerngegenstand und integrieren neues Wissen in bereits bestehende Wissensnetze. Wir wandeln unser Wissen in andere Darstellungsformen um und brechen Informationen auf das Wesentlichste herunter. All diese Tätigkeiten sind Bestandteile unserer kognitiven Lernstrategien. Durch diese Strategien eignen wir uns Wissen an.

Die zweite Gruppe von Lernstrategien lautet: Metakognitive Strategien. Dies ist der Oberbegriff für alle Strategien der Planung, Überwachung und Regulation des Lernens. Sie helfen uns beim Steuern des Lernprozesses. Metakognition kannst du dir wie eine Schaltzentrale vorstellen. Hier werden deine kognitiven Strategien überwacht und gesteuert. Dein Metagedächtnis hat Wissen über die verschiedenen Lernstrategien abgespeichert, mit dessen Hilfe du über die korrekte Anwendung einer Lernstrategie Bescheid weißt. Du kannst einschätzen, welche Lernstrategie für welchen Inhalt besonders geeignet ist und welche Hilfsmittel du benötigst, um sie erfolgreich umzusetzen. Eine sehr bedeutsame metakognitive Strategie ist die Regulation. Hast du erkannt, dass du mit deiner bisherigen Lernstrategie keinen Erfolg verzeichnest, änderst du nun entweder einzelne Lerntechniken oder probierst eine neue Lernstrategie aus.

Die dritte Kategorie fasst alle Strategien des Ressourcenmanagements zusammen. Diese Strategien wendest du an, um gute Voraussetzungen fürs Lernen zu schaffen. Beim internen Ressourcenmanagement spielen Strategien der Motivation, der Anstrengung und der Aufmerksamkeitserhaltung eine Rolle. Bei gutem internen Ressourcenmanagement arbeitest du fokussiert, konzentriert und motiviert. Mithilfe des externen Ressourcenmanagements stellst du sicher, dass dein Arbeitsumfeld gut gestaltet ist. Die sinnvolle Gestaltung deines Arbeitsplatzes ist beispielsweise eine gute Strategie des externen Ressourcenmanagements.

Die Lernstrategien lassen sich nach Friedrich und Mandl (1995) auch in zwei andere Kategorien einteilen: Die Primärstrategien (learning activities) und die Stützstrategien (supporting activities). Laut Mandl zählen sowohl die kognitiven Strategien als auch manche metakognitiven Strategien zu den Primärstrategien. Vom Paraphrasieren über das Lernen mit Karteikarten bis hin zum Erstellen einer Mind-Map, enthält diese Kategorie alle Lernstrategien, die wir uns intuitiv als solche vorstellen. Mandl postuliert, dass auch Abrufstrategien, wie beispielsweise das Abfragen lassen, zu den Primärstrategien gehören.

Wie der Name schon erahnen lässt, sind die Stützstrategien eher hilfreiche, allgemeine Strategien, die uns beim Lernprozess unterstützen. Hierzu gehören emotional-motivationale und organisierend-kontrollierende Strategien sowie Strategien metakognitiver Kontrolle. Mithilfe der Stützstrategien können wir uns selbst belohnen, uns von ablenkenden Reizen abschirmen, Lerngruppen bilden, To-Do-Listen schreiben und immer wieder prüfen, ob das, was wir machen, Früchte trägt.

Zeitmanagement – eine wichtige Lernstrategie!

Die wohl bekannteste Stützstrategie ist übrigens das Zeitmanagement. Du machst es hauptsächlich unbewusst, aber du strukturierst deine Lernzeit andauernd! Die zeitliche Planung erfolgt lang- und kurzfristig. Du planst meist schon Wochen vor der Prüfung was du wann lernen musst. Ebenso nutzt du Zeitmanagement, um morgens deinen Tag zu strukturieren. Durch Zeitmanagement kannst du dir mehr Wissen in kürzerer Zeit aneignen und zudem mehr Freizeit schaffen. Auch das Planen von Pausen gehört zum Zeitmanagement. Diese Stützstrategie ist nicht zu unterschätzen.

Welche Lernstrategie ist denn nun die Beste?

Wie du dir wahrscheinlich schon denken kannst, ist die Antwort auf diese Frage keine kurze. Es gibt so viele Lernstrategien, dass garantiert für jedes Aufgabenformat und jeden Lernstoff eine passende Lernstrategie existiert.                                        

Es gilt jedoch: Beim Lernen wendest du in den allermeisten Fällen gleich mehr als nur eine Lernstrategie an, mindestens eine Primärstrategie bzw. kognitive Strategie und auf jeden Fall noch Stützstrategien. Außerdem kommst du beim Lernen für eine Prüfung oftmals nicht mit nur wenigen Primärstrategien aus. Informationen auswendig zu können und sie verstanden zu haben, ist noch nicht hinreichend für eine gute Prüfung! Um dein Wissen in der Prüfung auch wiedergeben zu können, benötigst du meist noch eine organisierende oder reduzierende Lernstrategie, mit deren Hilfe du das Gelernte sortiert abspeicherst und gezielter abrufen kannst.  Mandl und seine Kollegen legen großen Wert darauf, dass Prozesse des Lernens, des Denkens und des Problemlösens überlappen. Für erfolgreiches Aneignen von Wissen muss über den Lerngegenstand nachgedacht werden. Es müssen Verbindungen zu bisherigem Wissen bestehen, um es anwenden zu können.

Komplexe Inhalte lassen sich am besten aneignen, wenn du viele Lernstrategien miteinander kombinierst. Hier ein Beispiel für die Anwendungen mehrerer Strategien:

Zuerst reduzierst du den Lernstoff auf das Wesentliche. Das passiert indem du Mitschriften oder Zusammenfassungen erstellst. Währenddessen transformierst du das Wissen in ein Format, mit dem du gut umgehen kannst. Aus einem langen Textabschnitt entwickelst du Stichpunkte und visualisierst komplexe Zusammenhänge. Mithilfe deiner Transformationsstrategie hast du nun Vorlesungsfolien in eigene Mitschriften transformiert. Durch die Anwendung von Elaborationsstrategien verarbeitest du die Informationen tiefer. Du schreibst dir Analogien oder Beispiele dazu, ziehst Schlussfolgerungen und wendest das Gelernte auf andere Sachverhalte an. Außerdem nutzt du Wiederholungsstrategien, um deine zusammengefassten und angereicherten Mitschriften und Übersichten auswendig zu lernen. Im Anschluss nutzt du Abrufstrategien, um dich selbst zu testen und deinen aktuellen Wissensstand zu überprüfen.

Und das waren bisher nur die Primärstrategien! Beim Lernen wendest du im Idealfall auch permanent deine Stützstrategien an. Du motivierst dich immer wieder selbst durch Pausen oder Süßigkeiten, du lässt deinen Fernseher aus, um dich nicht abzulenken und du verabredest dich mit Kommilitonen, um entstandene Fragen zu klären. Auf der metakognitiven Ebene überprüfst du dauerhaft, ob das, was du machst, so funktioniert und regulierst deinen Lernprozess wenn nötig.

Welche Lernstrategie eignet sich wann?

Mehrere Faktoren bestimmen für welche Lernstrategie du dich entscheidest. Zum einen hat natürlich deine Persönlichkeit einen Einfluss. Was kannst du gut, was eher weniger? Auch deine Einstellung zum Lernen ist ausschlaggebend.

Noch bedeutsamer ist meist die Form des Lernstoffs. Oftmals musst du zum Beispiel Transformationsstrategien anwenden um das, was der Prof in der Vorlesung sagt, zu verschriftlichen. Wenn du nicht zur Vorlesung gehst und nur mit den Folien arbeitest, musst du „nur“ noch reduktive Strategien anwenden. Häufig haben die Themen bereits einen roten Faden, den du nachvollziehen kannst. Dann fallen manche Lernstrategien schon weg. Dein Lernstoff bestimmt, welche Lernstrategien notwendig sind.

Auch das Prüfungs- oder Aufgabenformat solltest du bei der Wahl der Lernstrategie berücksichtigen. Wenn du Multiple-Choice- Aufgaben löst, musst du Begriffe wiedererkennen. Dann brauchst du keine Abrufstrategien. Bei einer mündlichen Prüfung hingegen lohnen sich Elaborations- und Abrufstrategien auf jeden Fall, da du Sachverhalte meist besser verstanden haben musst. Das Aufgabenformat ist entscheidend.

Natürlich spielt auch eine große Rolle, wie überzeugt du von deiner Lernstrategie bist und wie sehr du das Gefühl hast, diese richtig anwenden zu können. Deine Interessengebiete, Lernziele sowie Motivation haben ebenso einen Einfluss auf die Wahl der Lernstrategie.

Drei Primärstrategien im Vergleich – Welche Lernstrategie gewinnt?

In einer aktuellen Studie zum Thema Lernstrategien wurde untersucht, welche Primärstrategien kurz- und langfristig zum Erfolg führen. Dabei wurden die Probanden in drei Gruppen eingeteilt und lernten Informationen mithilfe unterschiedlicher Strategien auswendig. Die drei Strategien: das Anfertigen von Notizen, das Beantworten von Wissensfragen und das wiederholte Lesen. Das Gelernte wurde dann nach fünf Minuten, nach einer Woche und nach zwei Wochen abgefragt. Nach fünf Minuten war die Gruppe, die sich Notizen zu dem Lernstoff anfertigte, am besten. Nach einer Woche jedoch waren die Probanden die Notizen machten und die Probanden, die sich selbst abfragten, gleichauf. Eine weitere Woche später war das Abfragen den anderen beiden Strategien überlegen.

Ist die Zeit bis zur Prüfung entscheidend?

Laut dieser Studie schon! Den Effekt erklären sich die Forscher folgendermaßen: Wiederholtes Lesen ist gegenüber den anderen Strategien unterlegen. Das liegt an der oberflächlichen Verarbeitung. Durch bloßes Lesen, kannst du nicht elaborieren und erreichst keine Verarbeitungstiefe. Allein durchs Notizen machen und Zusammenfassen verstehst du die Inhalte besser. Das selbstständige Beantworten von Wissensfragen ist langfristig die beste Strategie, da du hier die größte Verarbeitungstiefe erreichst. Du musst das Gelernte gut verstehen, um Fragen beantworten zu können. Warum das Fragen beantworten kurzfristig nicht so vielversprechend ist? Du kannst nicht so viele Informationen aufnehmen, da du dich zu sehr auf einzelne Elemente fokussierst. Dadurch gehen dir einzelne Themengebiete verloren. Mit etwas mehr Zeit zum Lernen jedoch zeigt sich, wie gut diese Strategie zum langfristigen Behalten des Wissens ist.

Lernstrategien anwenden – Aber richtig!

Jede Lernstrategie hat ihre Daseinsberechtigung. Auch das Lesen ist wichtig. Nur reicht es eben allein nicht aus. Um wirklich gute Leistungen zu erbringen, musst du in den meisten Fällen viele Lernstrategien und vor allem Elaborationsstrategien anwenden! „Ausgedruckt ist halb gelernt“ – das gilt leider nicht.

Was nicht passt wird passend gemacht – die perfekte Lernstrategie?

Je nach Prüfungsart und Prüfungsstoff ist eine bestimmte Lernstrategie einer anderen vorzuziehen. Dennoch gilt beim Lernen immer: Mach das, was für dich funktioniert! Solange es zum Prüfungserfolgt führt und dich nicht überfordert, kann es nur gut sein.  Das kann bedeuten, dass du Lernstrategien abwandelst oder ganz neu erfindest. Behalte die Lernstrategien bei, mit denen du effizient, nachhaltig und motiviert lernen kannst.

Viel Spaß beim Ausprobieren der Lernstrategien!

Emilie

Quellen:

https://www.spektrum.de/ratgeber/die-fuenf-besten-lernstrategien/1224650

https://m.portal.hogrefe.com/dorsch/lernstrategien-kognitive/

https://www.mcgym.de/fileadmin/user_upload/Unterricht/10_Klasse_Vorbereitung_GOST/Handout_Lernstrategien.pdf

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