Du hast dir fest vorgenommen, endlich mit dem Lernen anzufangen. Du willst nur noch schnell deine Mails lesen, dann kann es losgehen! Wo du schon dabei bist, schaust du noch schnell die eine Folge deiner Lieblingsserie zu Ende. Drei Folgen und zwei Stunden später löst du die Augen panisch vom Bildschirm. „Verdammt. Schon so spät.“ Mittlerweile ist es dunkel und du beschließt, lieber morgen anzufangen.

Dir kommen diese Symptome bekannt vor? Dann leidest du vermutlich an Aufschieberitis. Ich bin zwar kein Arzt, kann dich aber dennoch beruhigen: Prokrastination ist (besonders unter Studenten) weit verbreitet und kann schnell und wirksam behandelt werden. Heute erkläre ich dir, was Prokrastination ist, warum sie existiert und welche Folgen sie nach sich zieht.

Was ist Prokrastination?

Als Prokrastination wird das freiwillige Aufschieben einer Aktivität bezeichnet. Ihre Durchführung wurde geplant, aber noch nicht in die Tat umgesetzt. Meistens handelt es sich dabei um wichtige oder sogar notwendige Aktivitäten. Das Aufschieben erfolgt trotz der bekannten negativen Konsequenzen, die durchaus die unmittelbaren positiven Konsequenzen des Aufschiebens übertreffen. Längerfristige Nachteile nehmen wir für die kurzfristige Belohnung in Kauf. Wobei wir durchaus während des Aufschiebens schon Reue oder Unwohlsein empfinden können. Prokrastination beschreibt kurzgesagt also das Fehlschlagen unserer Selbstkontrolle. Wir haben uns fest vorgenommen zu lernen, da bald die Prüfung ansteht, doch stattdessen putzen wir die gesamte Wohnung oder treffen uns mit Freunden. Prokrastination ist nicht zu verwechseln mit strategischem Aufschieben. Aufgaben zu priorisieren und manche erst später zu erledigen ist kein Prokrastinieren. Woran man diese beiden Formen des Aufschiebens unterscheiden kann und warum die Unterscheidung so wichtig ist, erkläre ich euch in einem Artikel der pünktlich zum neuen Jahr erscheint.

Welche Aktivitäten werden aufgeschoben?

Hauptsächlich zwei Eigenschaften bestimmen, ob wir die Aktivität sofort ausüben oder doch lieber aufschieben: Zeitliche Nähe und Aversivität. Je weiter unsere Deadline in der Zukunft liegt, desto wahrscheinlicher ist das Aufschieben. „Die Prüfung ist erst in 3 Monaten? Dann habe ich noch genügend Zeit später dafür zu lernen!“ Nicht nur die zeitliche Distanz löst Vermeidung aus, sondern auch die Aversivität der Aktivität. Wenn diese also unerfreulich, langweilig oder uninteressant ist, dann sind wir eher geneigt, sie aufzuschieben. „Noch 50 Seiten sinnlose Definitionen und unverständliche Modelle auswendig lernen? Nein, danke!“ Es kann also durchaus förderlich sein mit den Themen Frieden zu schließen und auch die Deadlines nicht zu unterschätzen.

Wer ist am ehesten betroffen?

Grundsätzlich gilt: Aufschieben gehört zum Menschen, wie der Alkohol zum Studium. Die große Mehrheit der Studierenden gibt sich ihm ab und zu mal hin, hat währenddessen eine Menge Spaß und muss am Folgetag feststellen, dass er die gute Laune von heute schon an letzte Nacht verborgt hat. Besonders häufig findet Prokrastination– wer hätte es gedacht –  im akademischen und beruflichen Kontext statt. Schule, Studium und Arbeit – da gelingt Prokrastination besonders gut! Das bestätigt auch eine Vielzahl von Studien. Studienteilnehmer im Alter von 14 bis 29 Jahren prokrastinierten am häufigsten. Für Studenten scheint das Aufschieben also eine besondere Anziehungskraft zu haben. Schätzungen zu Folge prokrastinieren 80-95% der Studenten. Bei 50% aller Studenten ist das Prokrastinieren sogar problematisch und erfolgt über einen längeren Zeitraum.

Wodurch wird Prokrastination ausgelöst?

Die Forschung ist sich hier noch uneinig. Doch eins ist sicher: Die eine Ursache gibt es nicht! Das Zusammenwirken vieler unterschiedlicher Faktoren veranlasst uns schließlich zum Prokrastinieren. Zum einen machen uns manche Persönlichkeitseigenschaften anfälliger für die Aufschieberitis. Sie können zum Beispiel die Wahrnehmung der Aversivität unserer Aufgaben verstärken. Das heißt jedoch nicht, dass Persönlichkeitseigenschaften als Ursache für Prokrastination gelten. Sie sind so gesehen Risikofaktoren. Natürlich spielen auch motivationale Prozesse eine große Rolle! Jede Theorie erklärt das Phänomen aus einer anderen Perspektive und liefert daher unterschiedliche Gründe dafür, dass wir eine Intention haben, diese jedoch nicht in die Tat umsetzen. Einige Variablen die mit Prokrastination zusammenhängen sind zum Beispiel Zielorientierung, Selbstregulation und Zeitmanagement. Ungünstige Konstellationen dieser Variablen begünstigen Prokrastination. Zu guter Letzt haben natürlich auch die äußeren Umstände einen Einfluss auf unser Verhalten. Schwierigkeit, Attraktivität und Spezifität der Aufgabe wirken sich auf unseren Tatendrang aus. Das Gute an diesen ganzen Einflussfaktoren? Sie sind Stellschrauben, an den gedreht werden kann, um mit dem Prokrastinieren wieder aufzuhören! Welche genau das sind, kannst du am 22. Januar in einem weiteren Artikel nachlesen. Schau doch bis dahin Miris Video über Motivation im Studium: 

Welche Konsequenzen hat Prokrastination?

Wir haben das Lernen aufgeschoben und geben uns angenehmen Aktivitäten hin. Die erste Konsequenz ist schnell spürbar: Die angenehmen Aktivitäten machen leider nicht so viel Spaß wie sie sollten! Die Prüfung und unser schlechtes Gewissen sitzen uns im Nacken. Von den kurzfristigen Reuegefühlen mal ganz abgesehen: Längerfristig hat Prokrastination ausschließlich negative Konsequenzen. Studien zufolge wirkt sich das problematische Aufschieben auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden aus. Wir sind ängstlicher, müder und gestresster. Vor Tests sind wir unruhiger und unsere Leistungen in Prüfungen sind schlechter als bei Studenten die nicht prokrastinieren. 

Die gute Nachricht:

Die Aufschieberitis ist keine chronische Erkrankung! Das Prokrastinieren kann man sich wieder abtrainieren. Es gilt also keineswegs: Einmal Aufschieben – immer Aufschieben.

Bleibt gespannt auf neue Artikel, in denen ich euch erkläre wie ihr es schafft, eurer Lieblingsserie zu widerstehen und gleich mit dem Lernen anzufangen. Bis dahin versucht, euch gleich an den Schreibtisch zu setzen und verringert so die Prozentzahl prokrastinierender Studenten!

Emilie

Mehr zu: 

Betroffenen von Prokrastination und Prokrastination an sich.

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